Passen Akupunktur und Schwangerschaft zusammen?

Während Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett kann es zu verschiedenen Beschwerden kommen – beispielsweise zu Morgenübelkeit, Angst vor der Geburt und Geburtsverletzungen wie Dammriss oder Analfissur. Akupunktur und Schwangerschaft bilden eine durchaus sinnvolle Einheit, um hier Abhilfe zu schaffen.

Was ist Akupunktur?

Akupunktur ist ein Verfahren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Dabei wird davon ausgegangen, dass der Körper jedes Menschen von sogenannten Meridianen durchzogen ist. Durch diese Linien fließt das Chi – die Lebensenergie. Nur wenn das Chi ungehindert fließen kann, können alle Energien frei wirken und die Körperfunktionen in gesunder Weise ablaufen. Bei einem gestörten Fluss dagegen kommt es zu körperlichen und psychischen Beschwerden.

Um mithilfe der Akupunktur die Lebensenergie zum Fließen zu bringen, werden kleine dünne Nadeln verwendet, welche spezielle Meridianpunkte stimulieren. Davon gibt es in der TCM über 360, von denen während einer Sitzung etwa 15 angeregt werden – dies hängt vom jeweiligen Behandlungsziel ab. Etwa 20 bis 30 Minuten bleiben die Nadeln an der akupunktierten Stelle liegen. Dabei kann sich teilweise ein leichtes Brennen oder Kribbeln, manchmal auch Schwere- oder Taubheitsgefühle einstellen. Schmerzhaft ist die Akupunktur aber nicht.

Auch wenn kein endgültiger wissenschaftlicher Beleg über das Vorhandensein der Meridiane vorliegt, ist die Akupunktur in Europa eine anerkannte Therapie. Sie gilt als ganzheitliche Methode, welche die Selbstregulation des Körpers aktiviert und dadurch bei Schmerzen und anderen Beschwerden helfen kann. Energetische Blockaden werden gelöst und seelisches Wohlbefinden sowie innere Entspannung herbeigeführt.

Akupunktur und Schwangerschaft: Nutzen und Erfahrungen

Auch Akupunktur und Schwangerschaft passen hervorragend zusammen. Dabei werden die Akupunkturpunkte auf besonders milde Weise stimuliert, damit es nicht zu Komplikationen kommen kann. In einigen Fällen können die Schwangeren zu Beginn der Akupunktursitzungen leichte Kreislaufprobleme bekommen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, dass Sie bei der Akupunktur liegen – dies dient gleichzeitig der Entspannung und Ruhe.  Sollten Schmerzen auftreten, kommt es zum sofortigen Abbruch der Behandlung.

Häufig wird ein Zusammenhang zwischen Akupunktur und einer verkürzten Geburt hergestellt. Dies soll erreicht werden, indem sich der Muttermund durch eine geburtsvorbereitende Akupunktur schneller öffnet, die Eröffnungsphase schneller abläuft und die Wehentätigkeit aktiviert wird. Auf diese Weise kann sich die Geburt verkürzen. Dies kann im Übrigen auch Einfluss auf Geburtsverletzungen nehmen und dafür sorgen, dass eine Geburt mit Dammriss & Co. wesentlich seltener vorkommt.

Etwa ein Drittel der Frauen, die zum ersten Mal schwanger sind, entscheiden sich dafür, sich akupunktieren zu lassen. Viele berichten darüber, dass für sie Akupunktur und Schwangerschaft sehr positive Auswirkungen auf die Geburt hatten. Zum einen verspüren sie einen entspannenden Effekt und einen allgemein positiven Einfluss auf ihr Wohlbefinden. Auch von einer Schmerzlinderung wird oftmals berichtet. Weitere Erfahrungsberichte sprechen von einer Wirkung bei:

  • Rückenschmerzen
  • Sodbrennen
  • Bluthochdruck
  • Wasseransammlungen in den Beinen

Die Erfahrungen zeigen zudem, dass Akupunktur und Schwangerschaft dann die beste Wirkung zeigt, wenn Sie als Schwangere entsprechend positiv und offen gegenüber dieser alternativen Methode eingestellt sind.

Akupunktur und Schwangerschaft: Studien und Untersuchungen

Es gibt einige Studien zu Akupunktur und Schwangerschaft, die attestieren, dass eine Akupunkturbehandlung die Geburt verkürzt. Am bekanntesten ist wohl die „Mannheimer Studie“, an der rund 800 schwangere Frauen ab der 36. Schwangerschaftswoche beteiligt waren.

Das Studienergebnis: Bei den Frauen ohne Akupunkturbehandlung dauerte die Geburt ca. zwei Stunden länger als bei denjenigen, die in der Geburtsvorbereitung eine tonisierende, stärkende Akupunktur erhalten hatten sowie etwa eine Stunde länger als bei den Frauen mit ausgleichender Akupunkturbehandlung. Der Termin der Geburt wurde durch das Akupunktieren nicht beeinflusst. Es wurde geschlussfolgert, dass eine tonisierende Akupunktur in Anlehnung an die chinesische Form die längerfristigste Wirkung hat und die Wehenkoordination positiv beeinflusst, indem sie für bessere und regelmäßigere Wehen sorgt.

Es gibt aber auch Untersuchungen, welche zum Ergebnis haben, dass Akupunktur und Schwangerschaft nicht ausreichend wissenschaftlich belegbar wirken. So ist auf dem Portal von IGeL-Monitor zu lesen: „Akupunktur in der Schwangerschaft bewerten wir als „unklar“. Es geht dabei um Akupunktursitzungen, die bei Schwangerschaftsbeschwerden oder zur Geburtsvorbereitung wahrgenommen werden. Obwohl wir einige Übersichtsarbeiten und Einzelstudien auswerten konnten, ist die Datenlage unbefriedigend: Manche Parameter scheinen für die Akupunktur zu sprechen, sodass wir geringe Hinweise auf einen geringen Nutzen sehen, doch insgesamt sind die Effekte klein und uneinheitlich. Ebenso sehen wir bestenfalls Hinweise auf einen geringfügigen Schaden.“

Wollen Sie unsere Meinung dazu wissen? Viele Frauen haben positive Erfahrungen mit Akupunktur und Schwangerschaft gemacht. Und zu schaden scheint die Behandlung jedenfalls nicht – wenn Sie einiges beachten (siehe nächsten Abschnitt). Warum also nicht ausprobieren? Wissenschaft und Studien hin oder her – die Erfahrung müssen Sie immer noch selbst machen und die Entscheidung dafür liegt ganz bei Ihnen.

Akupunktur und Schwangerschaft: Worauf achten?

Wichtig ist, dass Sie sich einen erfahrenen Akupunkteur suchen, der sich mit Akupunktur und Schwangerschaft, Behandlung von Geburtswehen etc. auskennt. Es sollten auf diesem Gebiet spezialisierte Ärzte, Heilpraktiker oder Hebammen sein.

In den wenigsten Kliniken gehören derart qualifizierte Akupunkteure zum festen Personal. Deshalb müssen Sie einen Akupunkteur ausfindig machen, der zu jeder Tages- und Nachtzeit bereitsteht, in die Klinik zu kommen, wenn es bei Ihnen losgeht. Dies gilt natürlich nur dann, wenn Sie sich auch während der Geburt akupunktieren lassen möchten. In dem Fall kann es auch sein, dass die Anwesenheit und Mitbehandlung eines „auswärtigen“ Therapeuten während der Geburt in manchen Kliniken vorab genehmigt werden muss.

Nicht alle, aber inzwischen doch recht viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Akupunktur in der Schwangerschaft. In der Regel muss diese Behandlung von einem Arzt angeordnet und durchgeführt werden. Am besten fragen Sie vorab bei Ihrer Krankenkasse nach. Sollte Sie die Akupunktursitzung selbst zahlen müssen, liegt der Preis zwischen 20 und 80 Euro plus bis zu 150 Euro Kosten für Anamnese und Ausarbeitung eines Behandlungsplans.

Eine Dame mit einer 3-jährigen Ausbildung in Akupunktur und sagt: „Akupunktur ist nicht gleich Akupunktur“. Es gibt die chinesische und die japanische Methode und sie empfiehlt Ihnen unbedingt, die japanische Akupunktur zu bevorzugen. Und sie nennt auch die Gründe dafür: „Die japanischen Nadeln werden mit Führungsröhrchen genadelt, weil sie so hauchdünn sind, dass sie ohne Stützhilfe nicht die Haut durchbrechen. Der Vorteil dabei ist, dass man zwar das Plastikröhrchen beim Aufsetzen spürt, dies aber vollkommen schmerzfrei, und den Einstich bemerken Sie so gut wie gar nicht. Es blutet auch nicht. Die Nadel geht rein und raus und hinterlässt keinerlei Spuren. Die Chinesen dagegen verwenden eine starre dickere Nadel und stechen diese mit Druck in den Körper, was wesentlich schmerzhafter ist. Ich habe beides gelernt und kann nur sagen: keine chinesische Methode.“ Wenn Sie konstitutionell robust sind und Sie mögliche Schmerzen bei der Akupunktur nicht stören, ist es nicht so wichtig, welche Methode Sie nutzen. Ansonsten raten wir Ihnen, vorher nachzufragen, ob der Akupunkteur die chinesische oder japanische Variante einsetzt und sich für letztere zu entscheiden.

Um Probleme und Komplikationen in Sachen Akupunktur und Schwangerschaft zu vermeiden, sollten Schwangere bei der Akupunktur zudem folgendes beachten bzw. wissen:

  1. Es sollten keine Schmerzen auftreten bzw. die Schmerztoleranzgrenze nicht überschritten werden.
  2. Die Nadeleinstiche können zu Müdigkeit, kleineren Blutergüssen oder leichten Schmerzen führen.
  3. Nach der Akupunkturbehandlung kann es zu verstärkten Bewegungen des Babys im Bauch kommen, was aber unbedenklich ist, wenn diese nach ca. einer Stunde wieder abklingen.
  4. Bei einer Risikoschwangerschaft oder Auffälligkeiten wird von einer Akupunktur abgeraten.
  5. Außerdem wird manchmal empfohlen, nicht vor der 12. Schwangerschaftswoche mit der Akupunkturbehandlung zu beginnen.
  6. Sprechen Sie bitte vor der Akupunktur mit Ihrem Gynäkologen oder der Hebamme darüber und lassen Sie sich möglichst einen erfahrenen Akupunkteur empfehlen

Fazit: Akupunktur und Schwangerschaft passen hervorragend zusammen, wenn Sie bestimmte Punkte dabei beachten. Bei welchen Beschwerden und Themen eine solche Behandlung helfen kann, erfahren Sie in diesem Beitrag. In Vorbereitung auf die Geburt empfehlen wir Ihnen zudem, meine Tipps für die Kliniktasche zu lesen.

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