5
Aug
2017
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Wehen erträglicher

So können Sie sich die Wehen erträglicher machen

Viele Frauen haben Angst vor den Schmerzen während der Wehen. Zwar wird es wohl nicht ganz schmerzlos ablaufen, doch es gibt neben Entspannungsübungen, Atemtechniken oder einer PDA zahlreiche weitere Möglichkeiten, wie Sie sich die Wehen erträglicher machen können.

Die passende Position finden

Verschiedene Positionen können die Wehen erträglicher machen:

  • Stützen Sie sich an verschiedenen Flächen ab – je nachdem, welche Höhe für Sie bequem ist. Das kann eine Stuhllehne sein, das Bett, die Fensterbank oder die Arbeitsfläche in der Küche.
  • Setzen Sie sich im Reitersitz auf einen Stuhl und grätschen Sie dabei die Beine. Ihren Oberkörper legen Sie auf die Stuhllehne (mit Kissen abgepolstert).
  • Auch auf die Toilette können Sie sich rittlings setzen und sich dabei am Spülkasten abstützen.
  • Knien Sie sich auf eine Decke oder ein großes Kissen vor einen Stuhl und lehnen Sie sich nach vorne auf dessen Sitzfläche.
  • Lehnen Sie sich an Ihren Partner und legen Sie dabei Ihre Arme um dessen Taille oder Hals.
  • Der Vierfüßlerstand ist vor allem hilfreich bei Rückenschmerzen. Damit Sie es dabei bequemer haben, gehen Sie auf eine weiche Unterlage. Um zu vermeiden, dass dabei Ihr Kopf die ganze Zeit herunterhängt, legen Sie Kopf, Schultern und Oberarme auf einen Pezziball.
  • Knien Sie sich hin und heben Sie dabei ein Bein – ja ich weiß, es fühlt sich erstmal ulkig an. Doch Sie tun damit Sinnvolles, denn durch diese Haltung verschaffen Sie dem Baby ausreichend Platz im Becken.
  • Wenn Sie sehr müde sind, legen Sie sich auf die linke Seite, denn dann bekommt Ihr Baby mehr Sauerstoff, während die Wehen weiterhin effektiv bleiben.

Meist finden Sie von alleine die Position, die Ihnen in dem Moment gerade gut tut. Sie können Ihren Partner, die Hebamme oder Doula bitten, Sie dabei zu unterstützen, indem sie Ihnen Kissen und Decken zurechtlegen oder den Rücken massieren.

Beckenbewegungen und Massage machen die Wehen erträglicher

Legen Sie sich während der Wehen nur hin, wenn Sie wirklich sehr erschöpft sind. Denn im Liegen wird die Wehentätigkeit gehemmt, wodurch die Geburt länger dauert und anstrengender wird. Deshalb ist es sinnvoll, dass Sie möglichst aufrecht bleiben – wie oben beschrieben. Kreisen Sie sowohl im Sitzen als auch im Stehen oder Knien Ihr Becken so viel wie möglich. Die kreisenden Bewegungen mit schwingenden Hüften  lindern Ihre Schmerzen und bringen das Kleine in Bewegung, so dass es leichter durch das Becken rutschen kann.

Massagen durch Ihren (Geburts)Partner können ebenfalls die Wehen erträglicher werden lassen. Dafür können Sie ein Körperöl verwenden und sich in dem Tempo massieren lassen, das Sie vorgeben. Falls Ihnen das Ganze zu schnell erscheint, bitten Sie darum, langsamer zu werden. Viele Frauen bevorzugen dabei eine Massage unten am Kreuzbein, da es ihnen die größte Erleichterung bringt. Andere wiederum lassen sich lieber zur Entspannung an den Schultern massieren oder bevorzugen eine Gesichts- oder Stirnmassage.

Übrigens sollte die Massage nicht zu sanft sein, denn je fester massiert wird, desto mehr Endorphine schüttet Ihr Körper aus. Diese Substanzen sind natürliche Schmerzhemmer, was für Sie die Wehen erträglicher macht und zu Ihrem Wohlbefinden beiträgt. Wobei auch hier gilt, dass Sie bestimmen, wo’s langgeht … Und falls Sie in bestimmten Phasen überhaupt keine körperlichen Berührungen mögen, ist das ebenfalls voll und ganz in Ordnung. Probieren Sie einfach aus, womit Sie sich am Wohlsten fühlen.

Wohltuende Wärme oder elektrische Impulse

Wenn der untere Rücken schmerzt, ist Wärme besonders hilfreich. Sie können dafür eine Wärmflasche verwenden, die Sie mit einem Handtuch umwickelt auf der schmerzenden Stelle platzieren. Noch effektiver, weil es länger Wärme speichert, ist ein Körnerkissen. Es ist gefüllt mit Dinkel, Weizen oder Kirschkernen und sorgt bis zu einer Stunde lang für angenehme Entspannung des Rückens. Das Körnerkissen wird bei etwa 50 °C im Backofen erwärmt oder auf die Heizung gelegt, um sich aufzuheizen. Sie bekommen es in einigen Apotheken sowie in Bioläden und Reformhäusern.

Um die Wehen erträglicher zu machen, spendet ein warmes Wasserbad ebenfalls entspannendes Wohlgefühl und Schmerzlinderung. Dabei wird der Beckenboden elastischer, die Muskeln weicher und der ganze Körper entspannt. Viele Gebärende erleben es als besonders wohltuend, wenn sie vom Wasser getragen werden. Zudem benötigen Frauen, die im warmen Wasser entbinden, wesentlich seltener schmerzstillende Maßnahmen als andere Gebärende. Der Wasserdruck mindert den hohen Sog, während das Baby im Becken an Bewegungsfreiheit gewinnt. Hinzu kommt, dass der Damm durch das Wasser geschützt wird, da es den Druck in der Austreibungsphase durch einen sanften Gegendruck abschwächt. Deshalb ist eine Wannengeburt eine tolle Maßnahme, um Geburtsverletzungen zu vermeiden. Da nicht alle Kliniken ausreichend Wannen in den Kreißsälen zur Verfügung haben, sollten Sie sich vorher rechtzeitig für eine Wannengeburt anmelden.

Um einer Geburt mit Dammriss & Co. vorzubeugen, hilft auch ein in Kaffee getränktes warmes Tuch, das die Hebamme auf den Damm auflegt. Dadurch wird die Muskulatur gelockert und das Dammgewebe entlastet.

Bei der „transkutanen elektrischen Nervenstimulation“, kurz TENS genannt, werden über selbsthaftende Pads elektrische Impulse auf die Haut abgegeben. Die Elektroden-Pads werden auf Ihrem Rücken angelegt. Wie stark die Intensität der Impulse ist, können Sie selbst steuern. Es wird vermutet, dass die Stromimpulse mittels TENS verhindern, dass die von Muttermund oder Gebärmutter ausgehenden Schmerzsignale das Gehirn erreichen. Zudem sollen sie eine Endorphinausschüttung bewirken, was zum Wohlgefühl beiträgt.

Akupunktur, Bachblüten und Homöopathie

Während der Geburt kann eine Akupunktur dafür sorgen, die Schmerzen zu lindern, Entspannung und Konzentration zu erhöhen und die Abfolge der Wehen zu harmonisieren. All das macht die Wehen erträglicher. Hinzu kommt, dass die akupunktierten Frauen oft auch in der Austreibungsphase noch über ausreichend Kräfte verfügen, was die Geburt beschleunigt. Auch für die Geburtsvorbereitung ist die Akupunktur eine hervorragende sanfte Methode. Mehr über Akupunktur und Schwangerschaft bzw. Geburt lesen Sie im verlinkten Beitrag.

Bachblüten sind eine weitere alternative Möglichkeit, um Sie während der Geburt zu unterstützen und die Wehen erträglicher zu machen. Zwar wird damit der Schmerz nicht direkt bekämpft. Aber die pflanzlichen Tropfen tragen zur Entspannung bei und verringern Ängste und Unsicherheiten. Da Bachblüten völlig nebenwirkungsfrei sind, können Sie diese bedenkenlos einnehmen. Empfohlen werden beispielsweise die Gauklerblume oder die Rote Kastanie, wenn sich schon im Vorfeld Ängste einschleichen. Auch Ulme, Eisenkraut und Olive sowie die bekannten Rescue-Tropfen sollen hilfreich sein. Fragen Sie am besten einen Experten, welche Bachblütenessenz für Sie am hilfreichsten ist.

Auch in der Homöopathie gibt es Mittel, die Ihnen die Geburt erleichtern und die Schmerzen lindern können. Die Globuli werden dabei auf Ihre körperlichen und seelischen Ansprüche abgestimmt – sprechen Sie deshalb mit einem erfahrenen Homöopathen, was er Ihnen empfiehlt. Allgemein werden beispielsweise Arnika, Belladonna, Eisenhut oder Frauenwurzel bei schmerzvollen Wehen eingesetzt. Ansonsten helfen homöopathische Mittel auch nach der Geburt – beispielsweise um die Stimmung zu heben und die Wundheilung bei Geburtsverletzungen zu beschleunigen. Mit Nebenwirkungen müssen Sie bei der Homöopathie ebenfalls nicht rechnen.

Fazit: Um die Wehen erträglicher zu machen, gibt es die verschiedensten Möglichkeiten. Letztlich ist bei jeder Frau ein anderes Mittel am Wirksamsten. Manches – wie beispielsweise die richtige Position – können Sie selbst ausprobieren. Anderes sollte Ihnen Ihr Arzt oder die Hebamme „auf den Leib“ empfehlen.

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