5
Sep
2017
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Hypnobirthing

Schmerzfreie Geburt mit Hypnobirthing?

Immer häufiger macht unter den Schwangeren ein Begriff die Runde: Hypnobirthing. Viele erhoffen sich davon, eine natürliche Geburt völlig ohne Schmerzen zu erleben – und es gibt dazu auch zahlreiche positive Berichte. Was genau ist Hypnobirthing und welche Erfahrungen dazu gibt es?

Was ist Hypnobirthing?

Der Begriff „Hypnobirthing“ setzt sich aus Hypnose und Geburt zusammen, denn dabei geht es um eine sanfte Geburt unter einer Art Selbsthypnose. Wie das geht, lernen Sie in Kursen, die in zahlreichen Städten angeboten werden. Ziel des Hypnobirthing ist eine möglichst natürliche schmerzfreie Entbindung, wobei wenig „technische“ Einflüsse zum Tragen kommen sollen. Dafür wird der Partner stark in die Geburt mit einbezogen.

Ein tranceähnlicher Zustand während der Geburt ist gar nicht so selten und wird von Ärzten und Hebammen immer wieder beobachtet. Dabei müssen Sie sich die Trance bitte nicht so vorstellen, dass Sie dabei völlig willenlos sind. Vielmehr sind wir alle meist mehrmals täglich in einer natürlichen Trance – etwa wenn Sie eine bekannte Strecke mit dem Auto fahren und „plötzlich“ am Ziel sind, wenn Sie ein spannendes Buch lesen und dabei Ihre Umwelt vollkommen vergessen oder wenn Sie in dem Moment kurz vorm Einschlafen sind.

Mit dem Partner visualisieren, entspannen und meditieren

Nun könnte es ja durchaus Sinn machen, diesen Hypnose-Zustand bewusst herbeizuführen –beispielsweise während einer Geburt. Marie Mongan kam auf die Idee, Selbsthypnose mit den Erkenntnissen von Dr. Grantly Dick-Read zu verbinden. Nach dessen Theorie kommt es bei der Entbindung hauptsächlich durch Angst und der daraus resultierenden Anspannung zu Schmerzen. Gäbe es die Ängste nicht, würde es auch keinen Geburtsschmerz geben. Das Wort „Wehe“ alleine sei schon irreführend und wurde durch andere Begriffe wie „Muskelgefühl“, „Welle“ oder „Kontraktion“ ersetzt. In ihrem Buch „HypnoBirthing: A Celebration Of Life“ stellte Marie Mongan im Jahr 1989 verschiedene Visualisierungs-, Entspannungs- und Meditationstechniken vor, die eine möglichst schmerzarme, wenn nicht sogar schmerzfreie Geburt versprechen.

In den Kursen zum Hypnobirthing lernen Sie, Geburt erst gar nicht mit Schmerz zu verbinden oder zumindest den Schmerz nicht als negativ zu bewerten. Ängste, die beispielsweise aus Glaubenssätzen oder einer vorangegangenen Geburt resultieren, werden visualisiert und aufgelöst. Sie erlernen eine Tiefenentspannung mithilfe einer bewussten, langsamen Bauchatmung. Hinzu kommen Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder auch eine Berührungsmassage durch den Partner. Diesem kommt übrigens beim „Hypnobirthing“ eine besondere Bedeutung zu: Er bzw. sie ist ihr wichtigster Geburtsbegleiter und erlernt im Vorfeld einige Techniken, um Ihre Entspannung zu vertiefen.

Erfahrungen mit Hypnose und Geburt

Laut einer Studie ist Hypnobirthing durchaus erfolgreich. Die Geburt bei Erstgebärenden, die sich mit Hypnose darauf vorbereitet hatten, war im Durchschnitt zwei Stunden kürzer als in der Kontrollgruppe. Zudem beschrieben etwa 80 % in der Vergleichsgruppe, dass die Entbindung mit sehr starken Schmerzen verbunden war. Bei den Frauen aus der Hypnose-Gruppe sprachen nur 50 % von einer enorm schmerzhaften Geburt. Daraus können Sie erkennen, dass es keine Garantie für wenig oder sogar gar keine Schmerzen gibt – auch bei Hypnobirthing nicht. Gleichzeitig gibt es aber deutliche Erfolge gegenüber „normalen“ Geburten.

Eine Hebamme hat beobachtet, dass es tatsächlich bei einigen Frauen zu einer schmerzarmen und teilweise sogar schmerzfreien Geburt gekommen ist. Gleichzeitig hat sie erkannt, dass die Frauen, die sich mit Hypnobirthing vorbereitet hatten, überwiegend besser mit den „Wehen“ bzw. Kontraktionen zurechtgekommen sind als andere. Die Frauen sprechen von einer anstrengenden Geburt, bei der sie mit den Schmerzen aber sehr gut zurechtkamen. Sie waren sehr zufrieden mit ihren Geburten – allerdings galt dies hauptsächlich dann, wenn die Entbindungen außerklinisch stattgefunden haben. So berichten die Frauen, dass sie im Krankenhaus ständig in Sorge waren wegen der Untersuchungen, nur schwer Vertrauen fassen konnten und enttäuscht von den Abläufen waren.

Hypnobirthing in der Klinik

Bei der Geburt in einer Klinik wird es also mit dem Hypnobirthing teilweise schwierig – und das, obwohl alle Beteiligten eigentlich das Gleiche wollen. Dennoch fühlen sich die Frauen, die Hypnobirthing anwenden wollen, häufig von der Krankenhausroutine gestört. Häufig wird ihnen in den Kursen beigebracht, dass verschiedene Routinemaßnahmen nicht nötig wären – wie beispielsweise das Legen eines routinemäßigen Zugangs oder die regelmäßigen CTG-Kontrollen (Wehenschreiber). Es kommt zu Diskussionen und Unstimmigkeiten – was sich natürlich negativ auf die gesamte Situation auswirkt. Die gewünschte Ruhe und innere Sammlung der Schwangeren wird dann meist nicht möglich und häufig sogar ins Gegenteil verkehrt.

Dabei – so betonen viele Hebammen, die in Kliniken arbeiten, immer wieder – freuen sie sich über selbstbestimmte Frauen, die sich auf eine natürliche Geburt vorbereitet haben. Doch oft müssen sie auch beobachten, dass die Schwangeren sich zu sehr an die in den Hypnobirthing-Kursen erlernten Abläufe klammern und nur schwer auf unerwartete Abweichungen reagieren können.

Hypnobirthing optimal nutzen

Nun ist das Hypnobirthing eine gute Möglichkeit, um sich auf die Geburt vorzubereiten. Sie gehen entspannter an die Sache heran, haben weniger Schmerzen und können durch die innere Entspannung viel besser Geburtsverletzungen vermeiden. Doch die Methode scheint in einigen Dingen an der Realität vorbei zu gehen – zumindest dann, wenn Sie in einer Klinik entbinden. Denn es ist wohl eine Tatsache, dass sich das Personal in den Kliniken an bestimmte Abläufe halten muss – das läuft dann eher „technisch“ ab und die Bedürfnisse der Mutter geraten in den Hintergrund.

So wäre es eine Möglichkeit, sich für ein Geburtshaus oder sogar eine Hausgeburt zu entscheiden, wenn Sie alles Erlernte aus dem Hypnobirthing-Kurs umsetzen möchten. Eine andere Variante ist ein Kompromiss: Wenn Sie Wert auf die Sicherheit der Klinik legen, sollten Sie auch Vertrauen zum Geburtsteam haben. Bestimmte Untersuchungen müssen vom Krankenhauspersonal durchgeführt werden – da führt kein Weg dran vorbei. Wichtig wäre sicherlich, im Vorfeld zu besprechen, was Ihnen wichtig ist und dies auch im Geburtsplan festzuhalten. Und vergessen Sie dann bitte nicht, diesen mit in Ihre Kliniktasche zu packen.

Eine weitere Lösung wäre sicherlich, wenn sich Gynäkologen und Hebammen intensiver mit dem Thema Hypnobirthing auseinandersetzen und die Kliniken mehr auf die natürlichen Instinkte und die Bedürfnisse der Schwangeren einstellen. Denn während Hebammen beispielsweise die Gebärenden dazu ermutigen, zu tönen oder zu schreien, wird im Hypnobirthing ein leises Atmen gelehrt. Diese und ähnliche Widersprüche verwirren die Frauen natürlich. Wenn beide Seiten vom Gleichen sprechen, würde das Vieles erleichtern.

Fazit: Hypnobirthing kann eine schmerzarme bzw. wesentlich entspanntere Geburt bewirken und dadurch auch Geburtsverletzungen verhindern. Wichtig wäre, dass die Anwendung der Methode vorher mit den Geburtshelfern gut abgestimmt wird oder dass Sie eine Geburtsstätte wählen, wo auf Ihre Wünsche eingegangen wird.

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