11
Jul
2017
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Geburtshilfe

Geburtshilfe mit Zange und Saugglocke

Zugegeben: Im ersten Moment hören sich die Bezeichnungen dieser Instrumente zur Geburtshilfe ein bisschen furchteinflößend an. Doch die erste gute Nachricht lautet: Die meisten Mütter bringen ihre Babys auf natürlichem Weg auf die Welt. Und die zweite gute Nachricht: So schlimm, wie die Bezeichnungen „Zange“ und „Saugglocke“ es suggerieren, ist auch eine Geburt mit Hilfsmitteln nicht.

Wann wird Geburtshilfe notwendig und wer führt sie durch?

Nur in bestimmten Ausnahmesituationen wird eine Geburtshilfe mittels Saugglocke und Zange vorgenommen. Bei etwa 8 % der Geburten kommen sie während der Entbindung zum Einsatz. Um Ihnen gleich von Vornherein die Angst davor zu nehmen, möchte ich Ihnen hier schildern, wie das Ganze abläuft.

Mit Zange und Saugglocke kann das Baby sanft aus dem Geburtskanal herausgezogen werden. Dabei werden diese am Kopf des Kleinen angelegt, deutlich häufiger werden übrigens Saugglocken verwendet. Die Gründe für den Gebrauch einer Geburtshilfe können folgende sein, wenn:

  • es zu einem Geburtsstillstand kommt
  • das Baby während des Geburtsvorganges gefährdet ist
  • Sie zu erschöpft zum Weiterpressen sind
  • das Baby sich in einer ungünstigen Geburtslage, z.B. Steißlage, befindet
  • Sie aus medizinischen Gründen (z.B. bei Herzleiden) nicht zu lange pressen sollten

GeburtshilfeInsgesamt ist die Zahl der Geburten mit einer Geburtshilfe wie Zange oder Saugglocke rückläufig – zugunsten eines Kaiserschnittes, der als sicherer gilt. Allerdings ist dieser nicht mehr möglich, wenn sich das Baby bereits im Geburtskanal befindet.

Die Geburt mittels einer Geburtshilfe darf nur ein Arzt durchführen. Er klärt die Gebärende über die Risiken auf. Bevor Saugglocke oder Zange zum Einsatz kommen, ist in vielen Fällen ein Dammschnitt nötig, damit die Instrumente zur Geburtshilfe auch ausreichend Platz finden. Zur Linderung der Schmerzen wird meist entweder eine Pudendusblockade oder eine Periduralanästhesie eingesetzt. Die Hebamme assistiert während der Anwendung der Geburtshilfe und schützt den Damm. Nachdem das Köpfchen den Mutterleib verlassen hat, übernimmt die Hebamme normalerweise wieder die Geburt bis zum Ende.

Geburtshilfe mit Saugglocke

Eine Saugglocke, auch Vakuum-Extraktor genannt, besteht aus einer mit einer Vakuumpumpe verbundenen Schale sowie einem Griff. Die Schale wird innerhalb der Vagina oben auf den Babykopf leicht angedrückt und in Richtung Hinterkopf angepasst. Nun wird mithilfe der Pumpe ein Unterdruck erzeugt, so dass sich die Glocke festsaugt. Dabei kann ein recht lautes Geräusch entstehen – also bitte nicht erschrecken.

Als nächstes wird der Arzt oder die Hebamme Sie bitten, mit der nächsten Wehe zu pressen. Im Rhythmus der Wehen wird nun an dem Griff gezogen, um dem Baby auf die Welt zu helfen. Dabei sollte sich das Kleine bei jedem Ziehen ein Stück vorwärts bewegen.

Für die Schalen einer Saugglocke gibt es unterschiedliche Materialien:

  • weiche Plastikschalen sind besonders sanft zum Babykopf, können aber leichter abrutschen
  • halbstarre Plastikschalen halten besser und weisen die größte Erfolgsrate auf
  • Metallschalen rutschen nicht so leicht ab, können aber eher die Babykopfhaut verletzen

Welche der Schalen zum Einsatz kommt, hängt u.a. von der Lage des Babys und der Einschätzung des Arztes ab. Zudem muss der Kopf des Babys gut erreichbar sein.

Durch den Druck der Saugglocke kann es an Babys Kopf zu einer kleinen Beule, zu Schwellungen oder Blutergüssen kommen. Diese verschwinden aber nach kurzer Zeit wieder. Sehr selten treten durch den Unterdruck Blutungen in der Netzhaut oder im Schädel auf.

Die Saugglocke wird von vielen Ärzten bevorzugt, weil diese für die Mutter sowohl während als auch nach der Geburt weniger schmerzhaft ist als eine Geburtshilfe mit der Zange. Auch das Risiko, dass Blase oder Darmfunktion beschädigt werden, ist geringer. Zudem hat die Saugglocke den Vorteil, dass sie weniger Platz benötigt, weil sie eher am oberen Teil des Babykopfes angebracht wird anstatt um den Kopf herum.

Geburtshilfe mit Zange

Eine Geburtszange, deren Fachbegriff Forceps lautet, besteht aus zwei sich überschneidenden Metallteilen, Blätter genannt, die löffelähnlich geformt sowie gebogen sind. Am hinteren Ende befindet sich ein Griff sowie ein Zughaken für den besseren Halt beim Ziehen. Die Geburtszange sieht ähnlich wie eine übergroße Zuckerzange aus. Die Blätter dieser Geburtshilfe können unterschiedlich geformt sein und werden je nach Bedarf eingesetzt.

Die Enden der Zange werden in die Scheide eingeführt und mit ihnen der Kopf des Babys seitlich gehalten. Auch hier werden vom Arzt jeweils die Wehen genutzt, um sanft am Baby zu ziehen und ihm auf dieser Weise zu helfen, leichter durch den Geburtskanal zu rutschen. Dabei umfassen die löffelförmigen Blätter den kleinen Kopf wie zwei Arme. Das Gute bei einer Geburtszange ist, dass man damit den Kopf des Babys auch drehen kann. Wichtig ist, dass sich das Kleine bei jedem Ziehen bewegt und nach mehreren Wehen auf die Welt kommt. Sobald der Kopf geboren wurde, wird die Zange entfernt und die Geburt des Körpers erfolgt auf normalem Wege.

Für die Mutter ist eine Zangengeburt unangenehmer und schmerzhafter als mit der Saugglocke. Doch zum Glück erhalten Sie ja eine örtliche Betäubung. Dagegen hat die Geburtszange den Vorteil, dass das Babyköpfchen wesentlich weniger belastet wird und es keine großen Schwellungen gibt. Es können höchstens kleine Abschürfungen oder Schwellungen entstehen, die meist schnell wieder abheilen. Zudem weisen Zangengeburten eine höhere Erfolgsrate als die mit einer Saugglocke auf

Ganz selten einmal kann eine vorübergehende Nervenlähmung auftreten. Bei der Mutter kann es nach einer Zangengeburt zu einem Scheidenriss oder einem Dammriss kommen. Diese und ähnliche Geburtsverletzungen lassen sich u.a. mit dem natürlichen Öl prorepatin behandeln, das Sie am beste sicherheitshalber mit in die Geburtstasche packen – wie ich es in meinen Tipps für die Kliniktasche beschrieben habe.

Fazit: Die Entbindung mit einer Geburtshilfe kommt nur äußerst selten vor. Sowohl Zange als auch Saugglocke haben Vor- und Nachteile. Normalerweise entscheidet der Arzt, wann eines der Instrumente zum Einsatz kommt und welches davon sinnvoller ist.

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