22
Aug
2017
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Atemtechniken für die Wehen

Entspannte Geburt: Atemtechniken für die Wehen

Die richtige Atmung ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Sie die Geburt so entspannt und schmerzfrei wie möglich erleben können. Am besten ist es, die richtigen Atemtechniken für die Wehen in einem Geburtsvorbereitungskurs zu erlernen. Damit Sie sich ein Bild machen können, stelle ich Ihnen die wichtigsten Aspekte in Sachen Atmung vor, die Sie in den verschiedenen Geburtsphasen beachten sollten.

Warum ist das Atmen bei der Geburt so wichtig?

Für viele Frauen ist die Geburt – neben der Vorfreude auf das Baby – auch mit Angst, Stress, Unsicherheit und Schmerzen verbunden. In solch ungewohnten und angespannten Situationen ist es erst einmal normal, dass die Atmung flacher und schneller wird, sich die Schultern nach oben ziehen und Schulter- sowie Nackenmuskeln verspannen. Steigert sich die Angst hin zu Panik, kann es sein, dass eine Hyperventilation einsetzt: Dabei wird zu viel ein- und zu wenig ausgeatmet.

Sollten Sie während der Entbindung hyperventilieren, wäre das fatal. Denn Sie und Ihr Baby werden dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, Sie fühlen sich schwindelig, der Mund wird taub, die Finger kribbeln und ein Gefühl des Kontrollverlusts stellt sich ein. Diese Reaktionen erschöpfen Ihren Körper erheblich – was in den Wehen alles andere als nützlich ist.

Die passenden Atemtechniken für die Wehen verhindern die oben geschilderte Situation und haben mehrere positive Effekte:

  • Ihr Baby wird mit ausreichend Sauerstoff versorgt, um mit den Strapazen der Geburt gut zurechtzukommen.
  • Sie können mit Ihrer Energie gut haushalten, was den Ablauf der Geburt erleichtern und beschleunigen kann.
  • Das richtige Atmen hilft Ihnen dabei, den Wehenschmerz zu lindern und Geburtsverletzungen zu vermeiden.
Atemtechniken für die Wehen: Eröffnungsphase

Während der gesamten Geburt, vor allem aber in der Eröffnungsphase ist eine gleichmäßige tiefe Atmung wichtig. Vermeiden Sie daher hektisches Atmen oder das Anhalten Ihres Atems.

Diese Atemtechniken für die Wehen sollten Sie üben: In der Eröffnungsphase kommen die Wellen in relativ langen Abständen, werden dann immer kürzer und dauern ca. 1 bis 1,5 Minuten. Spüren Sie eine Wehe, holen Sie tief Luft, atmen in den Bauch hinein und lassen den Atem durch den locker geöffneten Mund langsam entweichen. Vor dem Einatmen machen Sie jeweils eine kurze Pause. Als Faustregel gilt: Dreimal länger ausatmen als einatmen, bis die Lungen sich „leer“ anfühlen. Es macht Sinn, wenn Sie in den Wehenpausen etwas Wasser trinken, damit Ihr Mund nicht austrocknet.

Manche Frauen empfinden ein Geräusch beim Ausatmen als hilfreich mit Lauten wie „Ohhhh“ oder „Ahhhh“. Außerdem sollten Sie versuchen, bei der Ausatmung sämtliche Anspannung im Körper loszulassen. Die Konzentration bei dieser Atemtechnik liegt vor allem beim Ausatmen, denn die Einatmung erfolgt von ganz allein. Übrigens wird heute vom früher empfohlenen Hecheln abgeraten, da es dabei zum oben beschriebenen Hyperventilieren kommen kann.

Atemtechniken für die Wehen: Austreibungsphase

In dieser Phase wird Ihr Baby mittels Presswehen in Richtung Becken geschoben, um auf die Welt zu kommen. Hierbei dürfen Sie nun aktiv mithelfen und mit schieben. Es wird allgemein davon abgeraten, dabei den Atem anzuhalten. Dazu neigen allerdings viele Frauen, um mehr Druck aufzubauen – meistens dann, wenn die Geburtshelfer das Pressen diktieren und der Pressdrang nicht von alleine kommt. Sollten Sie sich dabei ertappen, dass Sie den Atem anhalten oder Sie sich in dem Moment dabei wohler fühlen, hilft folgendes Verhalten: Pressen Sie nicht in den hinteren Teil der Kehle, sondern nach unten zwischen Ihre Beine. Probieren Sie es ruhig gleich mal aus – dann wissen Sie, wie ich das meine.

Das sind die richtigen Atemtechniken für die Wehen in der Austreibungsphase: Sobald eine Wehe beginnt, atmen Sie tief ein und beim Pressen langsam wieder mit einem „ffffff“ aus. Dadurch wird Ihr Damm entlastet und Sie können Geburtsverletzungen vermeiden.  Auch Ihre Kehle schonen Sie damit und sorgen dadurch für einen guten Atemrhythmus, der das Pressen effektiver werden lässt. Sollte bei Ihnen eine PDA vorgenommen worden sein, hören Sie auf die Anweisungen der Hebamme. Auch dann tief einatmen, wenn sie die Wehe ankündigt und dann langsam ausatmen und pressen, wenn Sie das Kommando hören. Während einer Wehe pressen Sie so oft, wie es sich für Sie richtig anfühlt – in der Regel reichen vier- bis fünfmal aus.

Zwischen den Wehen hilft Ihnen ein tiefes Ein- und Ausatmen, sich zu erholen und verhindert gleichzeitig, dass Sie in Atemnot geraten und hyperventilieren. Wichtig: Wenn die Hebamme Sie auffordert, mit dem Pressen aufzuhören – halten Sie sich bitte daran. Dadurch kann der Damm sich langsam dehnen und Sie können eine Geburtsverletzung verhindern. In dieser Phase ist bereits der Kopf des Babys zu sehen und ein zusätzlicher Druck darauf sowie auf den Damm gilt es zu vermeiden. Atmen Sie nun etwas flacher ein und aus – aber vergessen Sie die Atmung nicht ganz.

Weitere Tipps und Hinweise

Wenn der Muttermund noch nicht ausreichend geöffnet ist, spüren viele Frauen dennoch den Drang zum Pressen, obwohl es dazu zu früh ist. Hier kann folgendes helfen: Gehen Sie in den Vierfüßlerstand, dabei das Gesäß in die Luft strecken und eine Wange auf den Boden ablegen. Wenn eine Wehe einsetzt, atmen Sie viermal kurz aus, dann schnell ein, wieder viermal kurz ausatmen und so weiter. Zwischen den Wehen wird wieder normal geatmet.

Es ist normal, dass es bei allem Üben der Atemtechniken für die Geburt dennoch mal dazu kommt, dass Sie sich verkrampfen. Konzentrieren Sie sich dann voll und ganz auf eine tiefe und ruhige Atmung. Lassen Sie sich auch von der Hebamme und Ihrem Partner dabei helfen, wieder in den passenden Atemrhythmus zu finden. Ein guter Partner ist da wirklich sehr hilfreich – er hält Ihre Hand, erinnert Sie an die richtige Atmung und atmet mit, um Ihnen den Takt vorzugeben. Das hilft in diesem Moment erfahrungsgemäß sehr, wie mir Mütter berichteten.

Ebenfalls zur Normalität bei einer Geburt gehört es, dass viele Frauen mehr oder weniger laute Geräusche während der Entbindung von sich geben – zwar schreien sie nicht immer grell und panisch, aber zum Ende hin wird doch laut und deutlich geatmet. Sie müssen sich also deshalb keinesfalls schämen oder meinen, dass die Ärzte und Hebammen Sie als „schwach“ betrachten. Dem ist aber nicht so – die Geburtshelfer erleben dies tagtäglich und stören sich keinesfalls am Schreien, Stöhnen oder lautem Atmen. Ihren Partner sollten Sie darauf vorbereiten dass es zum Ende hin lauter werden kann – dann erschrickt er nicht. Die meisten Reaktionen von gewordenen Papas sind ohnehin tiefer Respekt vor der Leistung der Partner. Also: Lassen Sie es raus, wenn Ihnen die Geburt dadurch erleichtert wird und scheuen Sie sich nicht davor, Geräusche zu machen.

Auch in der Nachgeburtsphase, wenn die Plazenta abgestoßen wird, kann es sinnvoll sein, eventuelle Schmerzen mit der Atmung zu lindern. Jetzt erinnern Sie sich wieder an die Technik aus der Eröffnungsphase: Tief durch die Nase ein- und lange durch den Mund wieder ausatmen.

Fazit: Es gibt hilfreiche Atemtechniken für die Geburt, die Ihnen und dem Baby die Entbindung wesentlich erleichtern. Gleichzeitig sollten Sie aber auch auf Ihren Körper hören, denn jede Frau empfindet anders. Nehmen Sie auch die Unterstützung von Hebamme und Partner an.

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